Fowles und die Bäume

Ölbild: Werner Zöhl. Foto: Lars Schimmelpfennig, BaumBüro Bremen.

Ölbild: Werner Zöhl (1926–2012), mit freundlicher Genehmigung durch Margarethe Zöhl. Foto: Lars Schimmelpfennig.

Jüngst bekam ich dieses schöne Bäumebild zugeschickt. Ich hatte in meinem Wohnort auf dem Lande eine Lesung zum 12. Todestag des englischen Autors John Fowles veranstaltet. Dem Bild waren zwei Beitrittserklärungen zur Fowles-Gesellschaft hinzugefügt. Das kam so:

Bei der Lesung lag auf dem Büchertisch zwischen den Fowles-Romanen und -Erzählungen auch eine Taschenbuchausgabe des längeren Essays The Tree, seines von manchen so genannten ökologischen Manifests von 1979. (Die brandneue illustrierte Ausgabe von 2017, ein Beleg für Fowles‘ zeitlose Aktualität, wie sie zumindest im englischsprachigen Raum erkannt, gewürdigt, ja produktiv gemacht wird, lag nicht dort, sie scheint im Moment schon ausverkauft zu sein.)

Der Maler des Bildes, der Fischerhuder Künstler Werner Zöhl – im selben Jahr 1926 geboren wie John Fowles – hat eine ganze Serie solcher Bilder gemalt, die zur Zeit und noch bis Januar 2018 im KaFF, dem Museum für Kunst am Fluss Fischerhude, unter dem Titel Bäume ausgestellt werden. Im Untertitel zur Ausstellung heißt es:

In seinem Haus am Wald lebte der Maler Werner Zöhl mit und unter Bäumen. Er liebte und verehrte ihre Verschiedenartigkeit, ihre Ausstrahlung von Kraft und Persönlichkeit, ihre Verletzlichkeit, die Schönheit der Stämme, der leuchtend grünen Blätter, des farbigen Laubes und der kahlen Kronen im Winter. Er begleitete ihr Leben und gab ihnen viel Raum in seinen Bildern.

Hätte diese lapidare Erklärung dem Schriftsteller John Fowles, dem englischen Dichter und Denker, wohl eingeleuchtet? Ich meine: ja. Sein Leben begleiteten die Bäume seit seiner Kindheit, wie er in The Tree ausführt, und Bäume begleiteten ihn. So einfach ist es. Jedenfalls eigentlich.

Schwieriger wird es heute in der Praxis beim Kampf der wirtschaftlichen Interessen vor allem in den Städten, bei dem die Bäume oft unterliegen. Davon kann der ein Liedchen singen, der das Foto gemacht und mir geschickt hat: der Baumpfleger und -kletterer Lars Schimmelpfennig, der Fowles‘ The Tree nicht erst bei der Lesung entdeckt hat. Dank sei ihm und seiner so wichtigen Tätigkeit. Ich glaube, John Fowles hätte ein derartiges quasi-Fachgespräch mit Lars über den Zaun seines urwüchsigen Anwesens Underwood an der Südwestküste Englands gefallen. Über ähnliche Zaungespräche hat er in seinen Journals zum Teil ausführlich und stets anerkennend Buch geführt.

Malerei hat John Fowles im Übrigen in vielen seiner Bücher zur Visualisierung von Szenen, aber auch zur Verdeutlichung seiner distanzierten Haltung gegenüber dem Kunstbetrieb eingebaut, am detailreichsten im Roman Der Sammler und in der großen Novelle Der Ebenholzturm, in der alle vier Hauptpersonen malen. Auf das oben gezeigte Gemälde scheint ziemlich genau und nicht nur atmosphärisch zu passen, was er über die Bilder zweier dieser Protagonisten schreibt. Wie man bemerken wird: Nur das bei Maler Zöhl dominante Grün fehlt darin, und Fowles‘ leicht kritischer Unterton ist nicht zu überhören:

Seine Bilder besaßen eine handwerkliche Genauigkeit, eine solide Qualität im Aufbau und etwas ausgeprägt Feinsinniges der Farbgebung. – (Das Ölbild zeigte) ein Gitterwerk aus Rosa-, Grau- und Cremetönen, eine Farbzusammenstellung, die gewagt, letzten Endes aber gelungen war. [D.] hätte davor zurückgeschreckt, die damit einhergehenden Empfindungen, auch die fehlende Akzentuierung gescheut.

(Neuübersetzung Michael Lehmann)

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