Flegel, Magier und Vampirjäger

Jean Paul: Flegeljahre, Band 1 (Neufassung)Das Jean-Paul-Jahr 2013 ist vorbei, und mit meiner Flegeljahre-Übertragung in modernes Deutsch bin ich Mitspieler bei einer vielgestaltigen Jubelveranstaltung gewesen, von der niemand wissen kann, ob Jean Paul selber nicht einen Kübel kunstvollen Spott darüber gegossen hätte. Jedenfalls ist die Neuausgabe, wie ich höre, für viele LeserInnen ein Aha-Erlebnis und für mich, der ich Jean Paul durch die Arbeit an seinem Text sozusagen um einen Quantensprung genauer kennengelernt habe, ein Geschenk von unermesslichem Wert.

Die Folgebände der Flegeljahre müssen nun noch warten, bis laufende Projekte abgeschlossen sind. Denn ich stecke tief in etwas diametral Anderem: meiner Neuübersetzung des 700-Seiten-Romans Der Magus, dieses grandiosen Erstlings des Engländers John Fowles aus den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Weiterlesen

Jean Paul war Pop

Jean Paul: Flegeljahre, Band 1 (Neufassung)Meine Beschäftigung mit dem nun bald 251 Jahre alt gewordenen Jean Paul hat mehr mit Wilhelm Lehmann zu tun, meinem heute nur etwas mehr als halb so alten Großvater, als sich auf den ersten Blick erschließt. Genauer gesagt mit meinen Vätern und meiner jahrelangen li­te­ra­ri­schen Recherche-Reise zu ihnen, zumal mein Vater Berthold Lehmann ein fast noch größerer Jean-Paul-Verehrer war als sein Vater. Weiterlesen

Anton der Taubenzüchter

Auf Bernard Gotfryds fulminantes Anton-Buch stieß ich fol­gen­der­maßen: Im Jahr 2007 saß ich an einem Über­set­zungs­auf­trag des Holocaust-Instituts der Universität Vermont/USA, aus dem für den deutschen Sprach­raum das Buch »Nichts konnte schlimmer sein als Auschwitz!« her­vor­ge­hen sollte. Einer der mich bewe­gends­ten Über­le­ben­den-Be­rich­te darin ist von Gina Gotfryd. Sie beschreibt die schwierigen Stationen ihrer letzt­end­li­chen Rettung vor den Nazis, und »die Schlüs­sel­person, die Kontakt zu den Amerikanern hatte«, war Bernard, ein ihr Unbekannter, selber Überlebender aus ihrer eigenen polnischen Heimatstadt, den sie einige Jahre später in den USA heiratete. Gina Gotfryd erwähnt in ihrem Zeit­zeu­gen­be­richt Bernards Buch, das ich mir zunächst allein schon wegen seines Titels, der jedem Mainstream trotzt, aus einem Londoner Antiquariat kommen ließ. Weiterlesen

Vom Architekten zum Buchautor

Michael Lehmann. Foto: Beate Ulich 2013.

Text/Foto: Beate Ulich, Nordsee-Zeitung (mit freundlicher Genehmigung).

Der berühmte Komponist Vincent Lübeck wurde 1654 in Padingbüttel geboren. Auch Tjede Peckes oder Deichgräfe Eibe Siade Johans haben hier einst ihr Leben verbracht. Michael Lehmann war ursprünglich Architekt und Stadtplaner in Essen und Frankfurt am Main, lebt seit einigen Jahren aber zusammen mit seiner Frau in einem malerischen Haus direkt am Altendeich. Als Übersetzer eng­lisch­spra­chi­ger Literatur und als Buchherausgeber zieht er seine Schaffenskraft besonders aus dem ruhigen Dorfleben. Weiterlesen

Kritische Wortspielereien bei Jean Paul?

Jean Paul. Von Friedrich Meier 1810. Alte Nationalgalerie Berlin. (Public Domain)

In der Debatte über Kinderbuchklassiker von Astrid Lindgren bis hin zum gerade verstorbenen Otfried Preußler geht es um die Frage der nachträglichen Korrektur eines als diskriminierend ge­wer­te­ten Wortgebrauchs wie z. B. Neger oder Hexe bei heutigen Neuausgaben. Persönlich, muss ich gestehen, hatte ich mir als Kind immer sehnlichst gewünscht, auch einen Negerkönig zum Vater zu haben wie Pippi Langstrumpf. Ich ahnte damals nicht, dass das N-Wort einmal sogar Verbrechen genannt werden würde (so die Autorin Sharon Dodua Otoo in der taz). Weiterlesen